Skaliger Heraldik

Das Wappen der Skaliger

Grundform: Die „sprechende“ Leiter

In seiner Grundform ist das Stammwappen der Skaliger ein sprechendes Wappen, das heißt der Name „Scala“ (ital. Leiter) wird über eine silberne bzw. weiße vier- oder fünfsprossige Leiter auf rotem Grund im Heroldsbild visualisiert. Die Schildform ist meist der sogenannte spatenblattförmige „Franzosenschild“, mit einem oben geraden Abschluss, der nach unten tropfenförmig spitz zuläuft und der gängigen Schutzwaffe der Berittenen zu dieser Zeit entspricht.

Wappen auf Fresco im Innenhof der Burg Soave, um 1300

Gemeine Figuren: Die Hunde

Als gemeine Figuren werden in der Heraldik alle visuell "wahrnehmbaren Erscheinungen" der Realwelt bezeichnet, Tiere sind "natürliche" gemeine Figuren. So wird bei den Skaligern später die Leiter von einwärts gerichteten, steigenden Bracken flankiert.
Die Bracke ist ein bestimmter Typus des Jagdhundes, der vor allem bei der Jagd auf Niederwild eingesetzt wird und seit dem Mittelalter in der Heraldik die Jagdgerechtigkeit symbolisiert.
Die Skaliger empfinden sich jedoch als Kampf- und Kriegshunde: Dies spiegelt sich auch in der Namensgebung der Veroneser Adelsfamilie wieder, der Vorname "Mastino" ist verbreitet, der Kriegsname von Francesco della Scala ist "Can Crande", also "Großer Hund".

Fresco im Castelvecchio Verona, 1354–1356
 
Eine Sonderform stellt das Wappen in der Skaligerburg von Peschiera dar, die später von den Venezianern teils abgebrochen und im stadtumschließenden Schutzwall verbaut wurde.
Hier findet sich nur EIN Hund neben der Leiter, dieser ist aber extrem bullig gebaut und von fast bärenartiger Statur.

Wappen in der Burg Peschiera, wahrscheinlich zwischen Mastino I. della Scala 1280 und Cangrande I. 1327 (Quellle: www.scaligeri.com)
Wappen in der Burg Peschiera, wahrscheinlich zwischen Mastino I. della Scala 1280 und Cangrande I. 1327 (Quellle: www.scaligeri.com)

Kaisertreu: Der Adler

Cangrande I. della Scala bezeugt seine Kaisertreue durch die Aufnahme des Doppelköpfigen Adlers in sein Wappen, die Bracken entfallen hier.
Er und sein Bruder Alboino waren vom römisch-deutschen König Heinrich VII, der 1310 nach Italien aufgebrochen war, um sich dort zum Kaiser krönen zu lassen und gleichzeitig die alten Reichsrechte wiederherzustellen, zu Reichsvikaren von Verona ernannt worden.

Josephus Justus Scaliger (1540–1609) von Paolo Veronese (1528 – 19 April 1588)
Öl auf Leinwand 22 x 20 cm, vererbt von Richard Bentley an das Trinity College, University of Cambridge
Foto: Trinity College, University of Cambridge, veröffentlicht durch die BBC

Krone: Die Grafen della Scala

Ein Zweig der Familie Della Scala fand sich in Lodi und Piacenza. Der Zweig aus Lodi erwarb 1534 den Ritterstand und wurde durch das Diplom König Karls II. von Spanien und Herzogs von Mailand vom 7. September 1672 in den Grafenstand erhoben. Kaiser Franz I. erlaubt ihnen am 10. Dezember 1816 die Führung des Grafentitels.
Nach der Heirat mit der Bukowinerin Parasca von Gojan lebte die Familie als italienisch-österreichisches Adelsgeschlecht mit Landbesitz in Bukowina und Gallizien.
Das redende Wappen zeigt unter einem goldenen Schildhaupt, darin ein rotbewehrter schwarzer kaiserlicher Adler (Parteigänger der Ghibellinen), in Rot eine goldene vier- oder fünfsprossige Leiter (Skala), gehalten von zwei einwärts aufgerichteten, silbernen Bracken mit goldenem Halsband. Über dem Schild steht die Grafenkrone.

Wappen der Grafen Della Scala
(Quelle: Wikipedia: Familienarchiv Wassilko/verwandte Familien vom 10. Dezember 1816)

Weitere Wappendarstellungen in Süddeutschland

Das Wappenbuch Conrads von Grünenberg



Grünenberg, Konrad: Das Wappenbuch Conrads von Grünenberg, Ritters und Bürgers zu Constanz - BSB Cgm 145, [S.l.], um 1480 [BSB-Hss Cgm 145]
(Ausschnitt: Wappen Herren von der Laytter)
Bayerische Staatsbibliothek, Münchener Digitalisierungszentrum (MDZ)

Turnierbuch Herzog Wilhelms IV



Wilhelm IV. (Turnierbuch Herzog Wilhelms IV. von Bayern)
(C) Bayerische Staatsbibliothek München, Cgm 2800, fol. 23
1510-1545

Scharfrennen zwischen Herzog Wilhelms IV. von Bayern und "Hern Johannis von pernn" [Johann von der Leiter]
Illustriert vom Hofmaler Hans Ostendorfer II

Epitaph Gottfried Werner von Zimmern



Epitaph Gottfried Werner von Zimmern (* 13. Januar 1484 in Meßkirch; † 2. April 1554)
Ahnenprobe rechts unten, Wappen Von der Laitter
Meßkirch, Pfarrkirche St. Martin
Foto: Andreas Praefcke auf Wikipedia

Epitaph Wilhelm von Zimmern



Epitaph Wilhelm von Zimmern (* 1549 in Meßkirch; † 1594 in Padua)
Ahnenprobe links, 6. Reihe, Wappen Von der Laitter
Meßkirch, Pfarrkirche St. Martin

Schlosskapelle Wald a. d. Alz



Schloßkapelle Wald a.d. Alz
Wappen "D.H.V.B." (Die Herren von Bern=Verona) in Kartusche mit schlanken Ronkalien, im Stile des Rokoko
Franz Josef Solln (aus Trostberg) 1762
vmtl. erneuert 1838 durch (Karl) Clemens della Croce jun. (aus Burghausen)